Lust auf Musik - Nora Kudrjawizki in der Kulturbrauerei

Nora Kudrjawizki ist Konzertmeisterin im Berlin Show Orchestra. Man kann sie buchen. Im Orchester, im kleinen, im großen Ensemble. Sie tritt auf mit den „Angelstrings“, einer Art Filetstück des Showorchesters.
Die Angelstrings spielen als Duo, Quartett oder größerer Besetzung, sie sind Erbinnen der Damenorchester, mit Pop und Klassik, mit Gesang und Tanz, das multiple Fräuleinwunder, Nora Kudrjawizki immer in der ersten Reihe.

Auf facebook ist sie sehr präsent, übt dort sozusagen öffentlich: Bach, Sting, Grönemeyer, Monti, es gibt wohl nichts, was sie nicht anfassen und ausprobieren würde. Die Videos sind kurz, aber sie geben Einblick. Geige, Gesang, auch im Ensemble, ab und zu tritt ein Hund auf, der allen Katzenvideos Paroli bietet.
Ihr zur Zeit präsentester Partner: Eine Loopstation. Die Geigerin versammelt sich nebst Geige davor, bedient das Gerät mit Händen und Füßen. Geigt, zupft, beatboxt, singt. Es beginnt mit einer kleinen Tonfolge, nach ein paar Takten fängt der Recorder von vorn an, spielt das Ergebnis, man kann die nächste Stimme einspielen, einsingen. Der Hörer kann verfolgen, wie sich der Song Schicht auf Schicht formt. Sting, Metallica oder die Mutter des modernen Loopsongs: Der berühmte Pachelbelkanon. Ein Wunderding, solch eine Loopstation.

Nora Kudrjawizki griff sich den elektronischen Partner, nachdem sie ein Repertoire aufgebaut hatte und zog zum Musikmachen ins Maschinenhaus der Berliner Kulturbrauerei. Ein Solodebüt.

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Auf der Bühne ein Podest, darauf Loopstation, und Mikro, vielleicht noch ein paar Effektgeräte, alles minimalistisch, nur Muskeln, kein Fett.

Eine Tür öffnet sich, Kudrjawizki erscheint und spielt bereits im Gehen die erste Pizzicatoschicht ein, während sie barfuß die Bühne erklimmt. Beifall, sie lässt sich im Schneidersitz nieder, das Procedere der musikalischen Schichtung nimmt seinen Lauf, der Song komplettiert sich, sie spielt, singt. Alles muss stets im Flow sein bei dieser Art des Musizierens.

In der Introansage verrät sie: Sie hat Lampenfieber, dies ist auch ein Familienfest, ihre Verwandtschaft sitzt in der Reihe vor mir, offenbar Vater, Mutter, Kinder, erfrischend normale Leute, keine arrogante Claque. Es ist gut, dass man so früh angekommen ist, die Sitzplätze sind schnell weg, freie Platzwahl, teilbestuhlt. Denn außer der Familie haben noch ein paar hundert Leute Wind von der Sache gekriegt. Ausverkauft.

Von Anfang an geht irgendwie die Post ab, es rockt nicht, aber es reißt mit. Gute Laune breitet sich aus. Das Programm ist durchweg bekannt, auch von Kudrjawizkis Videos. Es geht hier nicht um die Songsensation. Die ist auch gar nicht das Ziel. Man hat alles schon mal gehört, aber noch nie „so“. Es geht hier um Spaß an Musik. Es macht ihr Spaß, das Musikmachen, sagt sie, man glaubt es ihr sofort. Von dieser Frau geht etwas aus, das man schon verloren geglaubt hatte: Musik als Selbstzweck. Sie führt mit Händen, Füßen, Stimme, Geige und vor allem großen Können vor, wieviel Leben Musik enthalten kann.

Schnell hat man den Looprecorder vergessen, die Musikmaschine, der ja immer etwas von Musikerersatz und Schummeln anhaftet. Man vergisst auch schnell (wenn man es denn wusste), dass solch ein Gerät einer der gnadenlosesten und verzeihungsunfähigsten Kollegen ist, mit dem man eine Bühne teilen kann. Die Spuren, die man einspielt, werden wiederholt, mitsamt allen Fehlern, die man gemacht hat: Die fliegen einem dann bis zum Schlussakkord um die Ohren. Gelingt jedoch das Einspielen des Songs, multipliziert sich das Können des Einzeltäters da oben. Während der Darbietung kann man Formteile wie Strophe, Refrain etc. und auch einzelne Instrumente weglassen und an anderer Stelle dazu geben, so wird die Sache nicht eintönig. Wenn man solch ein Werkzeug gut bedient, rückt der Mensch wieder ins Zentrum: Nora K., sie thront dort wie ein kleiner Buddha, Musikanbetung ist nicht das falsche Wort.

Eintönigkeit kommt auch sonst nicht auf, Besuch wurde ja angekündigt: Die Künstlerin holt nach ein paar Solostücken ihren Vater auf die Bühne, der als Pianist an einem Keyboard fungiert, es gibt Montis berühmten Csárdás. La K. ist auf einmal größer. Große Präsenz, es perlen die Geigensechzehntel durch den Raum, so leicht, dass nie ein Gefühl von Schwere oder Mühe aufkommt. Ein gutes Kunstwerk erscheint gern selbstverständlich und normal. Geht Kunst mit einem solchen Gassenhauer? Offenbar doch.
Man hätte dem Papa freilich einen Flügel herbeigewünscht, der hätte dessen Können etwas besser entfaltet. Aber so ist das nunmal mit den kleinen Bühnen. Und der Csárdás fetzt trotzdem.

Weitere Gäste: Die Irish-Neo-Folk-Formation #InCiders, die nach der Pause a capella lichtstark eröffnet. Damit man das „Neo“ richtig versteht: Die Inciders bieten weitaus mehr als die in Irish-Pubs üblichen Dubliners-Zweit- oder Drittaufgüsse, die dort ihre Slaloms zwischen Guinnes-Pints und Whiskygläsern hindurch bahnen.
Weiter Gastauftritt: Der Gegenentwurf zu allen Sequenzern und Groovemachines, Nils #Bronzka, Beatboxer, die Frage liegt nahe: Wie macht der das?

Die Protagonisten auf der Bühne bieten ein Lehrstück in Sachen musikalischer Korrepondenz: Zusammen bleiben, Platz für Soli lassen, Verlängerung/Schlussbildung auf Zuruf, kein Hakeln, kein Zögern. Nora groovt, zupft, jauchzt, tappt, springt, jeder reagiert richtig. Der Guss aus dem die Band entsteht, erfolgt auf der Bühne. Das Publikum klatscht mit, sogar auf zwo und vier. Zwischendurch wieder Nora vs. Loopstation. Neben Grönemeier und Sting auch was von ihr selbst: Dance with me

Am Schluss spielen alle nochmal zusammen, Vater, InCiders (bei denen auch Noras Ehemann Lenn mitspielt), und Nils der Beatboxer.
Bei Nora Kudrjawizki laufen die Fäden zusammen. Es ist ihr Abend.
Man denkt an Aristoteles: „Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten.“ Oder hat John Cage das gesagt?
Egal. Hat jedenfalls gut geklappt.

Offensichtlich eifersüchtig auf soviel Tuchfühlung unter Menschen reagiert der elektronische Kollege: Für einen Song versagt er einfach seinen Dienst.
Nora K. reagiert gelassen: „Dann mach ich eben den nächsten Song.“
Sie hat einfach was.

Made my day.

©hoeldke 2020

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